Spaniens Weinklassiker – Teil 4: Pioniere und wegweisende Weingüter

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In diesem letzten Teil unserer Serie über spanische Weinklassiker widmen wir uns nach Rioja, Ribera del Duero, Priorat und Andalusien nun allen anderen Landesteilen bzw. Weinbaugebieten. Fünf bedeutende spanische Erzeuger mit klingenden Namen stellen wir im Folgenden vor. Wer sich mit Spanien und seinen Weinen intensiver beschäftigt, wird diese Pioniere wahrscheinlich schon kennen. Wer sich für spanischen Wein eher beiläufig interessiert, darf die Weingüter und ihre Kultweine zumindest kennen.

Codorniu – der erste Cava

Das älteste Weingut Spaniens, gegründet 1551, befindet sich in Katalonien. Codorniu hat es in seiner fast 500-jährigen Geschichte zu einem weltberühmten Erzeuger mit einer Jahresproduktion von 50 Millionen Flaschen gebracht. Den Hauptanteil machen dabei Cava-Schaumweine aus. Darüber hinaus gehören der Codorniu-Gruppe Weingüter in Rioja, Rueda und weiteren Appellationen an.

1659 heirateten Anna Codorniu und Miguel Raventós, und so verbanden sich zwei damals wie heute große Weinfamilien. 1872 füllte Josep Raventós im Weingut Codorniu erstmalig für Spanien einen flaschenvergorenen Schaumwein ab. Das Wissen um die Herstellung von Schaumweinen nach der Champagner-Methode hatte er zuvor in der Champagne erlangt.

Kurz erklärt funktioniert das Prinzip so: Man vergärt den Saft von Trauben zu einem ganz gewöhnlichen Weißwein. Beim Abfüllen dieses Weißweins gibt man eine Dosage aus Hefe und Zucker in die Flasche bei. Diese Mischung löst eine zweite alkoholische Gärung in der Flasche aus, bei der sich auch Kohlensäure bildet und die feinen Bläschen entstehen. Diese zweite Flaschengärung ist für alle Cavas zwingend vorgeschrieben.

Bis heute kommen 95 Prozent aller spanischen Cavas aus Katalonien. Besonders tut sich der 12.000-Einwohner-Ort Sant Sadurní d’Anoia im Anbaugebiet Penedès hervor: In diesem Zentrum der spanischen Cava-Produktion hat ebenfalls Codorniu seinen Hauptsitz – es handelt sich um ein beeindruckendes Anwesen mit kilometerlangen unterirdischen Weinkellern, in denen die Cavas lagern.

Kultwein: Codorniu Ars Collecta Finca La Pleta Gran Reserva

Torres – die Weltmarke

Ebenfalls in Katalonien hat die Weingruppe „Familia Torres“ ihren Hauptsitz. 1870 in Vilafranca in Penedès gegründet, wird Torres in fünfter Familiengeneration geführt. Seither hat das Weingut einen beeindruckenden Aufstieg hingelegt: Heute gehören der Torres-Gruppe Weingüter in vielen Teilen Spaniens, den USA und Südamerika an. Der Name „Torres“ ist zweifellos eine Weltmarke in Sachen Wein.

In besonderem Maße engagiert sich Torres seit den 2000er-Jahren bei der Forschung über den Klimawandel und dessen Auswirkungen auf den Weinbau. Das Weingut stellt eigene Untersuchungen und Praxistests an, um herauszufinden, ob und wie sich der Weinbau einem erhitzenden Klima anpassen kann. Zum einen werden Hochlagen in den Pyreanäen auf bis zu 1200 m.ü.NN mit Reben bepflanzt. Die These lautet, dass die kühleren Hochlagen in einigen Jahren oder Jahrzehnten ideale Standorte für den Weinbau sind. Zum anderen hat Familia Torres in einem Forschungsprojekt alte katalanische Rebsorten identifiziert und daraus fünf Trauben für Anbauversuche ausgewählt. Diesbezüglich lautet die Annahme, dass fast vergessene Rebsorten wie Pirene und Forcada mit ihren hohen Säurewerten in einigen Jahrzehnten die richtigen Trauben sein könnten, um trotz Klimawandel frische Weine zu ergeben.

Kultwein: Gran Coronas Etiqueta Negra, Mas La Plana

Palacio de Fefiñanes – der erste Albariño

Das galicische Anbaugebiet Rias Baixas ist bekannt für seine Weißweine aus der Albariño-Traube. Der historisch bedeutendste Erzeuger des Anbaugebiets ist Palacio de Fefiñanes. Dieses Weingut füllte im Jahr 1928 erstmals einen Albariño in der Flasche ab und registrierte den Namen „Albariño de Fefiñanes“ als Marke.

Das Weingut Palacio de Fefiñanes wurde 1904 von Juan Bautista Armanda y Losada gegründet. Der Adlige wurde während seines Studiums in Deutschland zu einem Liebhaber der Rieslinge von Rhein und Mosel. Deshalb ließ er seinen ersten Albariño in Schlegelflaschen abfüllen. Auch heute noch gelangt der Kultweißwein Albariño de Fefiñanes in dieser für Rhein und Mosel typischen Flaschenform in den Handel. Ebenfalls ist das heutige Flaschenetikett nahezu identisch mit jenem von 1928. Bei Palacio de Fefiñanes wird Tradition groß geschrieben.

Das Weingut befindet sich im Fischerort Cambados, direkt am Atlantik, in einem herrschaftlichen Anwesen im englischen Stil.

Kultwein: Albariño de Fefiñanes

Dominio de Valdepusa – der erste Vino de Pago

Seit dem 13. Jahrhundert besitzt das Adelsgeschlecht Marqués de Griñón seine Ländereien nahe den Montes de Toledo. Das Land diente den Grafen über viele Jahrhunderte hinweg zur Jagd von Bären, Wildschweinen und Rehen.

Erst 1974 wandelte Carlos Falcó – der damalige Marqués de Griñón – den Besitz in einen Weinbetrieb um. Zum diesem Weingut gehört das Anwesen Dominio de Valdepusa, das 2003 als erste Lage überhaupt in Spanien die damals neu eingeführte und bis heute höchste Klassifizierung des spanischen Weinrechts erhielt: Vino de Pago.

„Vino de Pago“ übersetzt sich als „Wein einer Einzellage“. Im riesigen Weinland Spanien gibt es aktuell nur 20 solcher Vino de Pago. Um einen Weinberg mit diesem rechtlichen Titel klassifizieren zu können, durchlaufen Weingüter einen aufwändigen und langjährigen Antragsprozess: Zuerst muss der Antrag beim spanischen Agrarministerium eingereicht werden. Hierin gilt es zu erläutern, was den Weinberg im Vergleich zu anderen aus dem Gebiet so besonders macht. Darüber hinaus müssen strenge Qualitätsstandards beim Anbau eingehalten werden. Sofern das spanische Agrarministerium den Antrag bewilligt, landet er zur finalen Bestätigung bei der Europäischen Union. Erst mit deren Bewilligung wird der Titel Vino de Pago verliehen.
Kultwein: Dominio de Valdepusa, Petit Verdot

Marqués de Riscal – der erste Verdejo

Rueda ist Spaniens erfolgreichstes Weißweingebiet, vor allem bekannt und beliebt für seine Rebsorte Verdejo. Die Verdejo-Traube ist seit vielen Jahrhunderten in Rueda zuhause. Nach der Reblausplage – die Ende des 19. Jahrhunderts nach Rueda kam und 90.000 ha Weinberge zerstörte – wurden hingegen Palomino Fino und Macabeo angebaut. Die Verdejo verschwand nahezu in der Versenkung.

Als 1972 das berühmte Rioja-Weingut Marqués de Riscal eine Dependence in Rueda gründete, erkannte es nicht nur früh das Potenzial der Region für hervorragende Weißweine, sondern auch jenes der Verdejo. Unter anderem dank Marqués de Riscal wurde die Verdejo-Rebe in Rueda wieder vermehrt angebaut und zu einer Erfolgsgeschichte sondergleichen.

Heute hält die Verdejo fast 90 Prozent der Anbaufläche in Rueda. Es ist die mit Abstand am meisten getrunkene Weißweintraube in Spanien – allein das Anbaugebiet Rueda hält im nationalen Markt 45 Prozent Anteil bei den Weißweinen.

Kultwein: Marqués de Riscal Verdejo

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