Spaniens Weißweinsorten – von A wie Albariño bis Z wie Zalema

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Über 180 Reben werden in Spanien zu Wein verarbeitet. Eine Zahl, die auf eine beeindruckende Vielfalt schließen lässt. Zungenbrecher wie Vijiriega und Esquitxagos sind autochthone Trauben, von denen sogar die meisten Weinkenner noch nie gehört haben. Jene weiße Rebsorten gehören selbst in Spanien zu den Exoten.

Weiße Rebsorten machen in Spanien 45 Prozent der Weinproduktion aus

Wir Deutsche denken bei Spanien ja häufig an Tempranillo und Rotwein. Insofern mag es überraschen, dass weiße Rebsorten etwa 45 Prozent im spanischen Weinbau ausmachen. Im Folgenden stellen wir einige der wichtigsten Weißweintrauben vor.

Airén

Was die Menge betrifft, steht diese weiße Traube an oberster Stelle. Keine Rebsorte – noch nicht einmal Tempranillo -wird in Spanien häufiger angebaut. Weshalb die Airén trotzdem weitgehend unbekannt ist, liegt daran, dass sie hauptsächlich zur Herstellung von Brandy hergezogen wird.

Die Sorte kommt vor allem in Zentralspanien (D.O. La Mancha, D.O. Valdepeñas, VT Castilla) und im Südosten (D.O. Jumilla, D.O. Alicante) vor. Dort gibt es mittlerweile eine wachsende Anzahl an Weingütern, die es verstehen, gute und interessante Weißweine aus Airénzu keltern.

Albariño

Eine der besten und bekanntesten weißen Trauben Spaniens. Sie kommt vor allem im galicischen Anbaugebiet D.O. Rías Baixas vor, wo sie 97% der Produktion ausmacht. Die Albariño verträgt das feuchte Klima an der Atlantikküste sehr gut und zeigt sich weniger anfällig für Mehltaubefall als andere Sorten. Darüber hinaus kann sie herausragende Qualitäten ergeben: Die besten Albariño-Weine aus Rías Baixas zeichnen sich durch eine tiefe Textur, spürbare Mineralität, Zitrusaromatik und einen packenden Säurezug aus. Komplexität und Eleganz gehören bei diesen Gewächsen zusammen.

Albariño übersetzt sich als „Der Weiße vom Rhein“. Der Name basiert auf der inzwischen widerlegten Theorie, die Traube stamme vom Rhein und sei ein Riesling-Abkömmling. Eine Zeit lang kursierte auch die These, dass Mönche aus dem Burgund die Sorte über den Pilgerweg nach Galicien gebracht hätten. DNA-Tests zeigen hingegen, dass eine Verwandtschaft weder zu den Burgundersorten, noch zur Riesling besteht. Man darf vielmehr davon ausgehen, dass der Ursprung der Traube im portugiesisch-galicischen Raum liegt. In Portugal heißt sie Alvarinho.

Anadigna
Albarino aus der D.O. Rías Baixas

Albillo

Es gibt zwei Albillo-Varietäten: Da wäre zum einen die „Albillo Real“, die im Gredos-Gebiet(D.O. Vinos de Madrid, D.O. Mentrida, D.O.P. Cebreros) häufiger anzutreffen ist und dort mitunter fantastische Weißweine ergibt. Zum anderen die „Albillo Mayor“, die gerade in der D.O. Ribera del Duero eine Renaissance erfährt.

Wie Airén, Palomino Fino, PX und Macabeo werden beide Albillo-Arten zu den sogenannten „neutralen“ Rebsorten gezählt: Sie gelten somit als Traube, die eher wenig Eigenaromatik mitbringt. Ein Vorteil solcher neutraler Rebsorten liegt darin, dass sie das spezifische Terroir und den jeweiligen Jahrgang deutlich zum Ausdruck bringen (können). Deshalb sind die Weine oftmals weniger fruchtig, dafür „erdiger“ in der Anmutung.

Garnacha Blanca

Eine (noch) selten angebaute Sorte, die in Katalonien in Anbaugebieten wie D.O. Montsant, D.O.Ca Priorat und D.O. Empordà im Aufwärtstrendliegt. Nirgendwo aber ist die Garnacha Blanca prominenter wie in der D.O. Terra Alta vertreten. Ein Drittel der weltweit angebauten Rebstöcke befinden sich dort. In Südfrankreich ist die Traube unter dem Namen Grenache Blanc ebenfalls populär.

Die Garnacha Blanca ist eine Mutation der roten Sorte Garnacha Tinta (Grenache). Sie ergibt zumeist vollmundige und aromatische Weißweine, die in einigen Fällen absolutes Top-Niveau erreichen.

Herencia Altes
Garnacha Blanca aus der D.O. Terra Alta

Godello

Mit die allerbesten Weißweine Spaniens kommen von dieser Sorte. Beliebt ist sie in Galicien in der D.O. Ribeira Sacra und ganz besonders in der D.O. Valdeorras. Auch in der benachbarten D.O. Bierzo (die in Kastilien-León liegt) stellt sie die weiße Hauptrebe dar.

Die Godello verfügt über reichlich Körper und Extrakt. Bei Reben aus niedrigeren Lagen fallen ihre Weißweine recht voluminös und teils buttrig aus. Kommen die Trauben hingegen aus höheren Lagen (ab ca. 600m.ü.NN), dann entstehen bei den besten Erzeugern Weißweine voller Frische und Finesse. Dann ist die Godello ganz großes Weißweinkino.

Hondarribi Zuri

Die Hauptsorte der leichten, spritzig-frischen Txakoli-Weißweine aus dem Baskenland. Die Rebsorte ergibt in atlantiknahen Anbaugebieten wie D.O. Getariako Txakolina und D.O. Bizkaiko Txakolina  trinkanimierende Weißweine mit relativ niedrigen Alkoholgraden. Die Namen klingen für unsere Ohren zugegeben seltsam, aber hey: Spanien ist ein Vielvölkerstaat.

Macabeo (Viura)

Eine in ihrer Bedeutung oftmals unterschätzte Traube. Zum einen ist Macabeo immer noch die weiße Hauptsorte in der Rioja (wo sie Viura genannt wird). Zum anderen ist es eine wichtige Sorte der katalanischen Cava-Schaumweine. Darüber hinaus wird Macabeo im gesamten östlichen Mittelmeerraum von Katalonien bis Murcia zur Erzeugung trockener Weißweine angebaut.

Bodega Hydria, 4 Cuerdas
Macabeo aus der D.O. Bullas

Moscatel de Alejandría

Wichtigste Rebsorte in der D.O. Málaga y Sierras de Málaga. Die Muskateller-Varietät wird dort zur Erzeugung sowohl von Süßweinen als auch trockenen Weißweinen verwendet. Auch in der D.O. Jerez-Xérès-Sherry werden ab und an süße (dulce) Sherrys aus der Rebsorte gewonnen. Sie ergibt zumeist sehr fruchtige und hocharomatische Weine. Außerdem findet man die Moscatel de Alejandría in Katalonien und Aragón (wo sie allerdings nicht die gleiche Prominenz wie in Málaga bzw. Andalusien einnimmt).

Bodegas Ruberte, Blanco Selección
Moscatel de Alejandría aus der D.O. Campo de Borja

Palomino Fino (Listan Blanco)

Palomino Fino ist DIE Rebe des Sherry-Gebiets. Aus ihr entstehen die berühmten Fino, Manzanilla, Amontillado, Palo Cortado und Oloroso. Inzwischen erzeugen einige Weingüter im Sherry-Gebiet ungewöhnliche wie spannende trockene Weißweine aus Palomino Fino, zumeist mit erdig-mineralischem Charakter.

Von den Kanarischen Inseln, insbesondere Teneriffa, kommen ferner einige absolute Top-Weißweine aus dieser Rebsorte. Dort firmiert sie unter dem Namen Listan Blanco.

Pedro Ximénez (PX)

Es existiert die weitverbreitete Erzählung, dass die Sorte Pedro Ximénez vom Riesling abstamme und aus dem Rheingebiet nach Andalusien gelangt sei. Diese Geschichte darf man getrost ins Reich der Fabeln verweisen. Heute wissen wir dank DNA-Tests, dass die Rebe von der arabischen Tafeltraube Gibi abstammt, die von den Mauren nach Andalusien eingeführt wurde.

Die PX wird in ganz Andalusien kultiviert, ihr Hauptgebiet ist die D.O. Montilla-Moriles in der Provinz Cordoba. Aus Pedro Ximénez werden legendäre Süßweine gekeltert. Die Trauben werden dafür auf Strohmatten in der Sonne getrocknet. Dabei verlieren sie an Flüssigkeit und der Zuckergehalt erhöht sich prozentual. Vermehrt werden aus der PX ebenfalls exzellente trockene Weißweine erzeugt.

Tempranillo Blanco

1988 entdeckte ein Weinbauer im Rioja in einem seiner Weinberge zufällig einen Rebstock mit weißen Trauben, die er keiner ihm bekannten Sorte zuordnen konnte. Der Winzer zog die Universität von Rioja zu Rate, die DNA-Analysen vornahm und dabei feststellte, dass es sich bei der weißen Rebe um eine natürliche Mutation der roten Tempranillo handelte.

Die weiße Tempranillo Blanco ist aufs Alter bezogen der Benjamin unter den Rebsorten in Spanien. Die Traube kann komplexe und anspruchsvolle Weißweine ergeben – ausgestattet mit fruchtigen und floralen Noten, mit hervorragender Struktur und Säure. Außerdem eignet sich diese Weißweinrebe sehr gut für den Holzausbau. In anderen Worten: Sie passt perfekt zur D.O.Ca Rioja.

Treixadura

Eine autochthone Rebsorte Galiciens. Im Anbaugebiet D.O. Ribeiro kommt die Treixadura besonders häufig vor. Die Traubeergibt Weißweine mit ausgeprägter Säure, viel Körper und Kraft. Bei den besten Erzeugern kommt Eleganz und Vielschichtigkeit mit ins Spiel. Gerne wird die Treixadura in der D.O. Ribeiro mit anderen galicischen Weißweinsorten wie Albariño und Loureira verschnitten.

Verdejo

Die beliebteste und wahrscheinlich auch bekannteste Weiße unter den Rebsorten in Spanien. Weil die Verdejo so populär ist, werden viele eher mittelmäßige Weine aus ihr gewonnen, die den Massengeschmack bedienen. Das ist einerseits schade. Andererseits gibt es genug Erzeuger, die das ganze Potenzial der Rebe für vielschichtige und elegante Weißweine aufzeigen. Weine, die ferner über ausgezeichnete Säure und somit Frische verfügen.

Auch wenn die Verdejo mittlerweile in vielen Regionen Spaniens angebaut wird, so ist und bleibt ihr „Zuhause“ doch die nordspanische D.O. Rueda. Nirgends kommt die Rebsorte besser zum Ausdruck als auf den dortigen Sandböden und im kontinentalen Klima der dortigen Hochebene.

Verdeal
Verdejo aus der D.O. Rueda

Xarel-lo (Pansa Blanca)

Eine Rebe, die frische und voluminöse Weißweine ergibt. Vor allem ist sie in den katalanischen Gebieten D.O. Penedès und D.O. Alella (dort wird sie Pansa Blanca genannt) beliebt. Folglich ist Xarel-lo – neben Macabeo und Parellada –die wichtigste Sorte der Cava-Schaumweine.

Zalema

Diese Sorte ist im Westen Andalusiens in der D.O. Condado de Huelva zuhause. Man sagt ihr Name stamme vom arabischen Gruß „Salam“ ab. Wie die viel bekanntere Pedro Ximénez stammt sie von der arabischen Traube Gibi ab. Sortenreine Gewächse aus Zalema zeigen einen erdigen Charakter, bei dem kräuterige und pflanzliche Noten dominieren.

Internationale weiße Rebsorten in Spanien

Und was ist mit den internationalen Rebsorten Chardonnay, Sauvignon Blanc & Co.? Diese werden in Spanien natürlich ebenfalls kultiviert. Der Gesamtanteil aller internationalen Sorten liegt im Anbau jedoch bei deutlich weniger als 10 Prozent. Insofern sind es wirklich die einheimischen Trauben, von denen wir ein Teil in diesem Beitrag vorgestellt haben, auf die sich die große Mehrheit der spanischen Winzer fokussiert.

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